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untitled but not unappreciated

Dienstag, Mai 18th, 2010 By draingirl

(Gastbeitrag von draingirl) Chestnut Hofeder ist eine in sich zurückgezogene Person. Rummel um die eigene Person mag der 21-jährige Nachwuchskünstler nicht. Das sagt er von sich selbst. Er hat gerade seinen Abschluss an der Kunstakademie Düsseldorf gemacht und ist einer derjenigen Absolventen, die ausgewählt wurden, um auf der Art Cologne auszustellen. Dass dies eine der größten Ehrungen überhaupt ist, muss ich an dieser Stelle

An Komposition, Witz und Feingefühl kaum zu übertreffen.

eigentlich gar nicht mehr erwähnen. Wer sich dort gut verkauft, kann schon mal den Sprung in den Kunstmarkt schaffen. Tausende kunstbegeisterte Anleger werden dort sein und jetzt heißt es auf sich aufmerksam machen.
Chestnut Hofeder wird dort mit einem Werk aus seiner Abschlussarbeit vertreten sein: untitled 1. Auf den ersten Blick bekommt das Auge sehr viele Informationen. Farben Formen, auch menschliche. Der gebürtige Düsseldorfer befasst sich mit dem Phänomen der Computerwelt, der Technisierung unserer Gesellschaft, es geht ihm aber auch um die Zerbrechlichkeit des Geistes, der Verletzlichkeit der Seele, aber eigentlich möchte der dem Betrachter die Interpretation offen lassen, obwohl ja die beiden Streifen, die so prominent indem C-Print erscheinen genau den Fokus umschreiben, den ein Spieler nach 6,5 Stunden WOW (World of Warcraft) bekommt. In diesem Zustand ist der „Spieler“ nicht mehr in der Lage sein Umfeld komplett zu erfassen, was durch die verschwommenen Streifen sehr schön dargestellt ist.
In diesem Zustand ist ein Mensch nicht mehr fahrtüchtig und kann sogar deutlich an Kommunikationsfähigkeit einbüßen.
Chestnut Hofeder prangert ganz klar den Spielkonsum an, pointiert dabei geschickt die geheimnisvolle Schönheit, die allen Computerspielen innewohnt. Strahlende Farben leuchten dem Betrachter aus den Bildschirmen (wahrscheinlich sind es Bildschirme, wobei einem Chestnut da noch den nötigen Interpretationsspielraum lässt) entgegen, vom Körper getrennte Hände führen formvollendete Bewegungen aus.
Ja, Chestnut ist zu Recht bei der diesjährigen Art Cologne vertreten. Je nachdem, in welche Richtung er jetzt weiter geht, könnte er der nächste Damien Hirst, Martin Kippenberger oder Marianne Rosenberg werden. Der WOW – Effekt wird nicht lange auf sich warten lassen.