„Dioxin“ – Ein Theaterstück in einem Akt
Mittwoch, Januar 12th, 2011Da fliegt es vorbei, das Skandalballett. Alle unsere Lieblingsfiguren sind mit dabei: Die Vogelgrippe tanzt Ringelreihen mit Gammelfleisch, Dioxin-Skandal und Schweinegrippe. Nur das arme BSE sitzt etwas abseits und alleine, da man es wohl in all dem Trubel vergessen hat.
Sie bilden eine lange Schlange und tanzen um etwas in der Mitte, was man noch nicht erkennen kann. Dann öffnet sich der Reigen und in der Mitte kauert der verunsicherte Verbraucher. Er klammert sich verzweifelt an ein umgefallenes Supermarktregal und ist ganz erstaunt, dass da Chemie in seinem Essen ist.
Er setzt zu einem Klagelied an: Oh warum ich? Ich möchte doch nur kaufen, wie alle das tun. Ich möchte kaufen und essen und kaufen und essen. Schweinefleisch und Burger, Rindfleisch und Currywurst, Hühnchen und Brathahn, Leberwurst, Geflügelwurst, Salami und Bärchenwurst sind nur ein paar der Sachen, die ich täglich gerne ess. Aber oh nein, da gibt es die Industrie, die mir den Spaß verdirbt, die einfach mitten im Kapitalismus und der großen Nachfrage anfangen zu betrügen. Oh neeeiiiin, wie ungereeeecht!
Und der Chor aus Gammelfleisch, Geflügelpest und Dioxin antwortet: Oh neeeein, oh jaaaaa. Uuuuuhhhhhhuuuhhhhh. Schon trippeln figurenvollführende Fotografen der Presse hinein und knipsen im Takt des Medienchors. Skandal, Skandal, ich finde einen Skandal. Wo ist er denn? Wo war er denn? Ich finde ihn bestimmt! Es regnet Geld vom Himmel, das die Szenerie in einen winterlichen Schneesturm hüllt und der Weihnachtsmann kommt von oben und erzählt vom Frieden auf Erden.


