Posts Tagged ‘Skandal’

Rücktritt von Guttenberg – Journalisten im Sprachrausch

Mittwoch, März 2nd, 2011 By Nina

Jaaa, endlich gibt es mal wieder etwas zu berichten. Informationen gibt es in unserem Land ja viel zu wenige, vor allem rund um den Adel und tragische Helden. Alleine diese zwei Umstände scheinen die Herren und Damen Journalisten nach dem Rücktritt von Karl-Theodor zu Guttenberg in einen wahren Sprachrausch zu versetzen:

KT und seine göttinnen-gleiche Gemahlin sind aus dem Nichts entsprungen, wie Adam und Eva, wie Paris und Helena, doch am Ende hat Ikarus seine Schwingen zu Nahe gen Sonne gerichtet und er musste fallen, stürzen wie ein Vogel ohne Auftrieb. Er kam schnell und er siegte schnell, doch auch die Schnelligkeit hat ihren demütigen Preis. Er hat zu viel gewollt und zu viel riskiert.

Am Ende sägte er sich den Ast ab, auf dem er stand und sein Gebälk brach zusammen. Seine verästelte Konstruktion konnte das Gewicht des kometenhaften Aufstiegs nicht mehr tragen. So ergeht es nun dem Lügenbaron, dem Helden ohne Furcht und mit Adel.

Die Hybris trieb KT in ungeahnte Höhen und ließ ihn fallen wie ein drei-fiedriger Kakadu tot vom Himmel saust, wie eine Tontaube, die der Jäger im letzten Moment noch erwischt hat. Ob er jemals zurückkehren kann, in den Olymp der Politik? Ob er jemals wieder fliegen wird? Die Zukunft bleibt so ungewiss wie die Unsicherheit an einem kalten Morgen, wenn die Sonne am Horizont steht und sich noch nicht entscheiden kann zu scheinen, da dunkle Wolken ihr die Sicht versperren.

Ach ja, schön, wenn Journalisten so viel Inspiration für ihre vermeintlichen Wort-Orgasmen finden…

Skandale über Skandale

Mittwoch, Februar 23rd, 2011 By Nina
cc by wikimedia/ Olek Remesz

cc by wikimedia/ Olek Remesz

„Skandaaaaaal“ erschallt es aus einer Ecke und alle haben es gehört, wirklich jeder hat den Ruf vernommen, doch das reicht wohl noch nicht, denn schon stürzen sich die kleinen und großen Reporter, der Medienzirkus mit seinen Spaß-Elefanten und Kicher-Äffchen auf den Ruf. Wer hat ihn noch gehört? Jetzt wird es investigativ? Wer hat ihn zuerst gehört? Wer kann den Schrei am genauesten beschreiben? Wer war noch bei diesem denkwürdigen Moment dabei? Und überhaupt, wo kam er überhaupt her?

Letztere Frage wurde jedoch schnell wieder gestrichen, denn diese hätte alle zu lange aufgehalten. Die Augenzeugen stehen Schlange vor den Mikrofonen und beißen sich um die besten Plätze. Die Reporter reden schneller, die Moderatoren noch schneller und die Schreiberlinge schreiben sich ihre schreibenden Schreibfinger wund.

Die Information kann beginnen und keiner ist mehr sicher, denn obwohl es alle gehört haben, gibt es natürlich noch Experten im Hören, die kleine Untertöne erkannt haben, die sich natürlich um eine Sendung zu füllen widersprechen. War der Unterton eher quäkig oder doch eher weinerlich? Nein, um Gottes Willen, er war leicht aggressiv mit einem Hang zum bilateralen Schizophrenen! Der eine hat dazu noch eine kongeniale Depression herausgehört, doch diese Theorie ging im anschließenden Boxkampf der Zirkus-Clowns unter.

Dokumentationen zum Skandal-Ruf folgen, die Filmrechte werden verkauft und die Marketing-Agenturen lecken sich die Finger während sie sich fragen, wie sie ihn für sich nutzen können. Provokant oder doch eher tragisch? Verständnisvoll oder doch eher hemmungslos? Nach drei Wochen, in denen die Welt fast untergegangen wäre und so manch einer Vorboten für das Kommen des Heilands, des Bösen oder des Dämons Gretzthematlukulakl-Theb erkannt haben will, hat einer einen neuen Zusammenhang beim Laufen auf der Straße entdeckt und der Zirkus tourt weiter. Alle springen sie auf diesen anderen Zusammenhang, der natürlich noch nie so wichtig war und den Skandal-Ruf (weiß noch jemand was das war?) bei Weitem in den Schatten stellt.

Und in einer kleinen Ecke flüstert jemand ganz leise „Skandal, dass Denken am Ende so schwierig ist“, doch das hat schon keiner mehr gehört…

Fühlt ihr euch auch so breitgetreten?

Donnerstag, Januar 27th, 2011 By Nina
cc by flickr/ foodiesathome.com

cc by flickr/ foodiesathome.com

Ich liege hier und fühle mich wie ein Stück ausgeklopftes Fleisch. Meine frühere Existenzform wurde so viel mit Dioxon und Co. gefüttert und geschunden, um am Ende zum einen Teil als Burgerbasis und zum anderen als Schnitzel zu enden. Den Rest von mir konnte man wegschmeißen.

Nun liege ich hier und wurde noch töter (tot, töter, am tötesten) geklopft. Die Medienmaschinerie ist über mich drüber gelaufen. Da wurde in die eine Skandal-Richtung an mir gezogen und ein anderer fand mich ganz toll und zog mich in die andere Richtung. Alle sind sie über mich rübergetrampelt und jeder hat dabei noch so viel geredet, dass die leichten Worte in Kombination ein ganz schönes Gewicht entwickelten. Nur schade, dass es keine Maßeinheit für Rede-Brei gibt, der sich nach und nach in allen Ritzen sammelt.

Ich liege hier, ein weich geklopftes Stück Fleisch und immer noch wird auf mich eingeredet. Jeder hat eine Meinung, jeder findet einen Skandal und am Ende haben sie vergessen, dass sie auf mir stehen und ich eigentlich das Thema bin bzw. am Anfang mal war. Ja, es lebt sich nicht leicht als durchgewalktes Informationsfleisch, das so überinformiert ist, dass es kaum noch aufnahmefähig ist.

Doch eigentlich brauch ich mir keine Sorgen zu machen, denn in unserer Wegwerfgesellschaft können Informationen genauso schnell weggeworfen werden wie ein Stück überinformiertes und durchgeklopftes Stück Fleisch. Wir alle sind konsumierende Gebrauchsware, die selbst konsumiert werden und am Ende wissen wir nicht mehr, was wir schlucken sollen oder ob wir nicht schon längst selbst geschluckt wurden. Oh, da kommt schon der nächste Skandal angerollt…

„Dioxin“ – Ein Theaterstück in einem Akt

Mittwoch, Januar 12th, 2011 By Nina
cc by christmasstockimages

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Da fliegt es vorbei, das Skandalballett. Alle unsere Lieblingsfiguren sind mit dabei: Die Vogelgrippe tanzt Ringelreihen mit Gammelfleisch, Dioxin-Skandal und Schweinegrippe. Nur das arme BSE sitzt etwas abseits und alleine, da man es wohl in all dem Trubel vergessen hat.

Sie bilden eine lange Schlange und tanzen um etwas in der Mitte, was man noch nicht erkennen kann. Dann öffnet sich der Reigen und in der Mitte kauert der verunsicherte Verbraucher. Er klammert sich verzweifelt an ein umgefallenes Supermarktregal und ist ganz erstaunt, dass da Chemie in seinem Essen ist.

Er setzt zu einem Klagelied an: Oh warum ich? Ich möchte doch nur kaufen, wie alle das tun. Ich möchte kaufen und essen und kaufen und essen. Schweinefleisch und Burger, Rindfleisch und Currywurst, Hühnchen und Brathahn, Leberwurst, Geflügelwurst, Salami und Bärchenwurst sind nur ein paar der Sachen, die ich täglich gerne ess. Aber oh nein, da gibt es die Industrie, die mir den Spaß verdirbt, die einfach mitten im Kapitalismus und der großen Nachfrage anfangen zu betrügen. Oh neeeiiiin, wie ungereeeecht!

Und der Chor aus Gammelfleisch, Geflügelpest und Dioxin antwortet: Oh neeeein, oh jaaaaa. Uuuuuhhhhhhuuuhhhhh. Schon trippeln figurenvollführende Fotografen der Presse hinein und knipsen im Takt des Medienchors. Skandal, Skandal, ich finde einen Skandal. Wo ist er denn? Wo war er denn? Ich finde ihn bestimmt! Es regnet Geld vom Himmel, das die Szenerie in einen winterlichen Schneesturm hüllt und der Weihnachtsmann kommt von oben und erzählt vom Frieden auf Erden.