Posts Tagged ‘Restaurant’

Experte Jo Müller-Stanislaus kritisiert Restaurant in Hüpfburg

Freitag, September 3rd, 2010 By Nina

Der Kellner hat mir das Essen gebracht. Ich muss seine Optik erst einmal begutachten. Liegt auch alles so auf dem Teller, wie es sich gehört? Stimmt die Deko mit der Atmo des Lokals überein? Ist auch alles farblich aufeinander abgestimmt? Um dies festzustellen muss ich erst einmal aufstehen. So nun, wo ich stehe, kann ich das Essen doch gleich besser sehen. Sehen ist eine besondere Kunst.

Damit meinem geschulten sehenden Auge auch nichts entgeht, umschreite ich das Essen, ich umkreise es. Erst einen kleinen Schritt nach links, dann nach rechts. Wie ein Adler peile ich mein Ziel an. Mein Opfer, äh, meine Bewertung im Visier. Was sollen denn hier die Nachbartische? Hätte man nicht früh genug feststellen können, dass ich nun sehe? Hätte man sie zum Zwecke des professionellen Sehens nicht wegstellen können?

Ich schiebe sie also zur Seite ohne meinen Blick vom Teller zu lassen. Gleichzeitig überprüft man so am besten die Statik der Speise. Hält das Gebilde auch, bei einem kleinen Erdbeben? Wie sieht es bei Windstößen aus? Und, was würde passieren, wenn sich nun die Erde auftun würde, die Apokalyptischen Reiter sich im Galopp nähern, den Teller mitnehmen, ihn in einen Vulkan tragen, von wo er durch einen Ausbruch nach Aserbaidschan geschleudert wird. Selbst danach müsste sich den Menschen dort ein respektabler Anblick auf dem Teller bieten können und sie würden ihn mit Genuss verspeisen. Das kann man von einem normalen Restaurant und seinem Küchenchef schon erwarten.

So langsam habe ich mir einen Kreis um meinen Tisch geschaffen um das Essen auch perfekt von allen Winkeln aus betrachten zu können. Ich steige mal lieber noch auf den Tisch um besser meiner Tätigkeit des professionellen Sehens nachgehen zu können. Entschuldigen Sie mal, was beschweren Sie sich überhaupt? Ich sehe professionell! Da macht es doch wohl nichts aus, dass ich in ihren Nudeln stehe, die sind hier eh nur ein laues Lüftchen von italienischem Mundgeruch!

Aha, da hat sich die Deko auf dem Teller bewegt! Das darf nicht passieren! Ich habe es genau gesehen, mit meinem Experten-Auge, sehend. Und jetzt ist das Essen auch noch kalt! Was für eine Zumutung! Es ist schon schlimm, was man in diesem Job ertragen muss, aber das ist eben der Preis für ein solches Expertenwissen…

Eine Restaurant-Kritik von Jo Müller-Stanislaus: Restaurant „High Fidelity“ in Bad Reumersburg

Freitag, August 20th, 2010 By Nina

Unter etlichen Feinschmeckern gilt Bad Reumersburg als kleiner kulinarischer Geheimtipp. Im renommierten Restaurant „High Fidelity“ wollte ich mich einmal selbst davon überzeugen. Doch was mir da geboten wurde, konnte ein so sensibler, feinfühliger und illustrer Gaumen wie meiner kaum ertragen.

Erträglichkeit scheint beim „High Fidelity“ eh ein Credo zu sein, denn obwohl man sich redlich bemüht, den Gästen den Aufenthalt so akzeptabel wie möglich zu machen, gelingt dies von Beginn an nicht. Betritt man den Raum, fragt einen doch glatt nur ein Kellner, in einer viel zu perfekt aussehenden Uniform, ob man reserviert hat. Dies alleine reizt schon die Grenzen der menschlichen Umgangsformen aus, denn das Wort Personal beinhaltet schließlich mehrere Leute, so dass man beim Empfang auch eine Mehrheit zu seinen Diensten wünscht.

Auch die Tische wollen wohl durch Perfektion von diesem fehlenden Miteinander ablenken. Man kauft die teuersten Blumen und versucht verzweifelt durch Kerzen Stimmung zu erzeugen. Kann man sich nicht für den Fortschritt entscheiden? Teure Blumen und billige Kerzen, ein Widerspruch, der jedem Gast wahrscheinlich sauer aufstoßen wird. Die Stimmung ist dahin, der Gast verwirrt.

Speisen werden geboten, bei denen die Beschreibungen einfach normal formuliert sind. Man könnte meinen, dass ein Restaurant die einfache Sprache von Restaurants beherrscht, dem ist hier jedoch nicht so. Simple Standard-Gerichte wie Thunfisch Tataki mit Hoisin-Karamell im Peking-Crêpe fehlen im „High Fidelity“ vollkommen! Ansonsten bietet die Küche den üblichen Mix aus asiatischen, afrikanischen und mediterranen Spezialitäten. Was für eine Überraschung!

Am Ende verlangen sie noch von einem, dass man eine Tomatensuppe isst. Tomatensuppe! Für solche Gerichte sterben Tomaten umsonst und man sollte hierzu gleich einen passenden Eimer servieren, in dem man dann die verendeten Tomaten zur letzten Ruhe betten kann. Wer für solch einen billigen Euphemismus das Haus verlässt, ist selbst Schuld. Man könnte sich gleich auf die nächste Kreuzung legen und sich überfahren lassen, dann wäre man am Ende wahrscheinlich genauso zäh wie das Fleisch im Hauptgericht. Biber überfahren muss das Hobby des Kochs sein. Dass man das dann noch Rinderfilet nennt, ist mehr als desaströs…

Meine kulinarische Welt wurde an diesem Abend auf jeden Fall zerstört. Gewollt perfekte Höflichkeit und ein Lächeln der Bedienung konnten diesen versuchten Massenmord auch nicht wieder gut machen. Auf dem Heimweg überfuhr ich dann noch einen Obdachlosen und legte ihn als Serviervorschlag vor die Tür. Es ist überhaupt eine Frechheit mich zu solch einem Verhalten zu nötigen!

(Jo Müller-Stanislaus)

Unser Neuzugang: Restaurant-Kritiker Jo Müller-Stanislaus

Freitag, August 6th, 2010 By Nina

Die gesamte Welt liebt Kritiker und wir auch. Naja, am meisten lieben sich die Kritiker wohl selbst… Und da eben diese Kritiker, die Könige der Experten, so toll, so wichtig und so essentiell sind, freuen wir uns heute bekanntgeben zu dürfen, neben Jupp Heidevomzumwinkel einen weiteren hochkarätigen Fachmann auf diesem Gebiet an Bord holen zu haben. Ab heute wird immer mal wieder der geschätzte und vieldekorierte Restaurant-Kritiker Jo Müller-Stanislaus seinen Senf, Entschuldigung, kleiner Scherz, seine Meinung hier kundtun.

Daher an dieser Stelle ein Paar Fragen an Jo Müller-Stanislaus:

Herr Müller-Stanislaus, man kennt Sie als erfahrenen Restaurantkritiker, der in der Kulinarik schon so einiges erlebt hat und dem man wohl nicht so schnell das Wasser, äh, den Wein reichen kann. Wie wollen Sie uns an dieser Stelle an Ihrem enormen Wissen teilhaben lassen?

Müller-Stanislaus: Wissen Sie, das ist ganz einfach. Die Leute können ja nicht schmecken, was ich da gerade essen bzw. meist ertragen muss, daher versuche ich das alles in so einfachen Worten wie nur möglich auszudrücken, damit auch unsere, wie soll ich sagen, minderbemittelten Freunde mit einem Glutamat-Gaumen mein hohes Geschmacksempfinden nachfühlen können.

Ein sensibler Gaumen ist also das A und O in Ihrem Beruf. Haben Sie diesen besonders geschult oder sind Sie einfach mit solch einem gehobenen Geschmackssinn auf die Welt gekommen?

M.-S.: Also, ich habe das Gefühl, dass ich mit dieser herausragenden Sensibilität, um mich ausnahmsweise mal selber zu loben, auf Gottes schöne Erde gekommen bin um diese zu verbessern und die Kulinarik ein bisschen schöner zu machen. Schon als kleines Kind, habe ich die Milch meiner Mutter abgelehnt, weil sie einfach zu fett war und bei Gott nicht wirklich schön angerichtet. Meinen Babybrei habe ich dann immer gerne mit ein paar frischen Kräutern und Kaviar aufgebessert.

Ein wahres Naturtalent also… Was mögen Sie bei einem Restaurantbesuch gar nicht?

M.-S.: Wenn man schon beim Personal merkt, dass sie sich für etwas Besseres halten. Sie stolzieren manchmal so übertrieben in ihren Uniformen herum und wollen mich dann noch darüber belehren, was ich da gerade esse. Meist wird einem dann noch ein Euphemismus eines billigen Materials vorgesetzt und verlangt, dass man ihn würdevoll verzehrt.

Danke, Jo Müller-Stanislaus. Wir freuen uns schon auf Ihre Kritiken und sind uns sicher Sie werden uns den richtigen kulinarischen Pfad weisen.