Die Informations-Sniper im Internet – Anonym schießen ohne zu zielen

By Nina
cc by flickr/ checkstaticlines

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Ich sitze hier mit meiner Tastaturflinte und surfe mit meinem Zielfernrohr durchs Netz. Dabei kann ich sicher sein, dass ich schon bald ein Opfer finden werde, ein Ziel, dass ich aus sicherer Entfernung beschießen kann. Mein Leben ist schlecht, mein Job frustriert mich, also begehe ich einen Informations-Amoklauf.

Ich durchkämme das Netz nach Verfehlungen, menschlichen Unzulänglichkeiten und dann kann ich Wurm mich auf einen Thron erheben und diesen garstigen und grausamen Fehler korrigieren. Ich schieße scharf und alle die schriftliche Fehler begehen oder sich vielleicht verlesen haben, sind Idioten, sind Arschlöcher. Einmal bin ich Gott und kann von meiner anonymen Wolke aus zielen.

Ha, da ist auch schon einer. Zu viele Rechtschreibfehler. Kommentarfeld auf und puff. Und noch einer. Sätze falsch formuliert. Kommentarfeld auf und Abschuss. Da ist eine andere. Informationen verwechselt. Kommentarfeld auf und peng. Ach wie gut, dass niemand weiß, wie dieser Gott der Erkenntnis wirklich heißt.

So treibe ich mein Spiel und fühle mich gut dabei, mächtig. Alle sind schwach, nur ich bin stark, ich mit meinem Informationsgewehr. Nachladen ohne sichern. Gott, bin ich toll! Was sag ich? Ich bin Gott! Nur ich habe die Weisheit mit Löffeln gefressen und reinige durch meine Beleidigungen das Netz!

Ode an den Plastik-Praktikanten

By Nina

Oh, du schnöder Praktikant, der du dich für unser aller Wohl immer wieder aufs Neue in Plastik gießen lässt! Allein damit wir uns amüsieren, zwängst zu dich in Kostüme und Masken, in die sich sonst kein normaler Mensch wagen würde.

Oh, du heiliger Plastik-Praktikant, der du uns von Monstern über Roboter bis hin zu wilden Tieren oder Bäumen schon alles präsentiert hast um unsere Fantasie und gute Laune anzuregen. Du beschertest uns Filme wie „Killer-Krokodile 1-9“, „Killer-Haie 1-7“, „Killer-Dinosaurier 1-8“, „Angriff der besonders echt aussehenden Monster aus dem unterirdischen Weltall“ und eine deiner Glanzleistungen „Superkleine Mutanten-Todesbienen“.

Was würden wir ohne dich tun, du selten tapferer Plastik-Praktikant, der du für uns stundenlang schwitzt, leidest, dich verrenkst und dir zur Not auch ein Bein absägst, wenn es die Roboter-Rolle verlangt? Wir sehen all die Monster an uns vorbeiziehen und nicken anerkennend vor soviel Leistung. Armer kleiner Plastik-Praktikant, hoffentlich vergisst dich niemand in deinem Haifisch-Kostüm…

Fühlt ihr euch auch so breitgetreten?

By Nina
cc by flickr/ foodiesathome.com

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Ich liege hier und fühle mich wie ein Stück ausgeklopftes Fleisch. Meine frühere Existenzform wurde so viel mit Dioxon und Co. gefüttert und geschunden, um am Ende zum einen Teil als Burgerbasis und zum anderen als Schnitzel zu enden. Den Rest von mir konnte man wegschmeißen.

Nun liege ich hier und wurde noch töter (tot, töter, am tötesten) geklopft. Die Medienmaschinerie ist über mich drüber gelaufen. Da wurde in die eine Skandal-Richtung an mir gezogen und ein anderer fand mich ganz toll und zog mich in die andere Richtung. Alle sind sie über mich rübergetrampelt und jeder hat dabei noch so viel geredet, dass die leichten Worte in Kombination ein ganz schönes Gewicht entwickelten. Nur schade, dass es keine Maßeinheit für Rede-Brei gibt, der sich nach und nach in allen Ritzen sammelt.

Ich liege hier, ein weich geklopftes Stück Fleisch und immer noch wird auf mich eingeredet. Jeder hat eine Meinung, jeder findet einen Skandal und am Ende haben sie vergessen, dass sie auf mir stehen und ich eigentlich das Thema bin bzw. am Anfang mal war. Ja, es lebt sich nicht leicht als durchgewalktes Informationsfleisch, das so überinformiert ist, dass es kaum noch aufnahmefähig ist.

Doch eigentlich brauch ich mir keine Sorgen zu machen, denn in unserer Wegwerfgesellschaft können Informationen genauso schnell weggeworfen werden wie ein Stück überinformiertes und durchgeklopftes Stück Fleisch. Wir alle sind konsumierende Gebrauchsware, die selbst konsumiert werden und am Ende wissen wir nicht mehr, was wir schlucken sollen oder ob wir nicht schon längst selbst geschluckt wurden. Oh, da kommt schon der nächste Skandal angerollt…

Das Dschungelcamp mit künstlerischem Anspruch

By Nina

Schon faszinierend wie momentan halb Deutschland mitfühlend in den australischen Dschungel blickt. Nein, ich spreche nicht von der verheerenden Hochwasser-Katastrophe, das ist doch mehr eine Attraktion, die Rede ist natürlich von der Show „Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!“.

Uh, werdet ihr jetzt denken, Unterschichtenfernsehen, Proleten, Eva Jacob. Doch was wäre, wenn genau dies nicht auf RTL käme, sondern in einer Galerie stattfinden würde? Stellt euch vor, Künstler bauen einen künstlichen Dschungel, unterstützt von einem findigen Kurator und echte, wilde Künstler, die eben gerade so angesagt sind, leben dort während die Besucher durch die Ausstellungsräume flanieren.

Da werden wild grunzend Mehlwürmer verspeist, man legt sich in einen gläsernen Sarg und lässt sich von Kakerlaken überschütten oder fährt Schlangen in einem Boot spazieren. Alles sehr archaisch. Diese Künstler führen uns zurück an die Wurzeln der Zivilisation, Kritiker führen ihre Tänze auf und interpretieren eine neue Rohheit der Kunst, eine neue Dimension der Performance. Das menschliche Zusammenleben in all seinen Schwächen wird vorgeführt und auf einmal schwingen sich die Künstler in neue Höhen.

Ja, die heutige Kunstszene unterscheidet sich wirklich von RTL… Alles eine Frage der Perspektive, oder nicht? 😉