Die Essenz des Guten – Webserie zwischen Facebook und Wirklichkeit

By Nina

Ja, liebe Freunde der TV- und Medienlästerei, heute ausnahmsweise mal wieder seit langem ein kleiner Tipp. Ja, es gibt noch Lichtblicke am medialen Horizont, manchmal muss man nur ein bisschen darüber hinaus gucken… 😉

Fast jeder von uns tummelt sich auf Facebook und selbst die, die nicht darauf sind, haben einen Hintergrund. Sie interessieren sich einfach nur nicht dafür, sondern der Boykott ist eine bewusste Haltung. Doch ist Facebook wirklich unser Leben, unsere Realität? Wohl eher nicht, denn wenn wir ehrlich sind, verkauft man hier nicht selten ein Scheinbild. Man zeigt sich so wie man sein möchte, wie andere einen sehen sollen. Am besten beruflich erfolgreich, cool, dynamisch und vor allem voller Elan und fröhlich im Party-Rausch.

Genau mit diesem Bild beschäftigt sich die neue Webserie „Die Essenz des Guten“ des UFA Lab und des Künstlerkollektivs „Das Kind mit der goldenen Jacke“. Worum geht’s? Lena Kinzer zieht nach Berlin, doch ihr (Ex-)Freund geht nach Paris und sie sitzt nun alleine in der Hauptstadt. Von Berlin aus verfolgt sie ihren Ex via Facebook, der dort angeblich in einer Wohnung neben dem Eiffelturm wohnt und sich auf einer Veranstaltung nach der nächsten mit seiner Neuen amüsiert.

Doch wie wir wissen, ist nicht alles Gold, was glänzt und die Essenz des Guten sagt meist wenig über die komplexe Realität aus. Ach ja, hier gibt’s die Webserie „Die Essenz des Guten“ zu sehen…

Rücktritt von Guttenberg – Journalisten im Sprachrausch

By Nina

Jaaa, endlich gibt es mal wieder etwas zu berichten. Informationen gibt es in unserem Land ja viel zu wenige, vor allem rund um den Adel und tragische Helden. Alleine diese zwei Umstände scheinen die Herren und Damen Journalisten nach dem Rücktritt von Karl-Theodor zu Guttenberg in einen wahren Sprachrausch zu versetzen:

KT und seine göttinnen-gleiche Gemahlin sind aus dem Nichts entsprungen, wie Adam und Eva, wie Paris und Helena, doch am Ende hat Ikarus seine Schwingen zu Nahe gen Sonne gerichtet und er musste fallen, stürzen wie ein Vogel ohne Auftrieb. Er kam schnell und er siegte schnell, doch auch die Schnelligkeit hat ihren demütigen Preis. Er hat zu viel gewollt und zu viel riskiert.

Am Ende sägte er sich den Ast ab, auf dem er stand und sein Gebälk brach zusammen. Seine verästelte Konstruktion konnte das Gewicht des kometenhaften Aufstiegs nicht mehr tragen. So ergeht es nun dem Lügenbaron, dem Helden ohne Furcht und mit Adel.

Die Hybris trieb KT in ungeahnte Höhen und ließ ihn fallen wie ein drei-fiedriger Kakadu tot vom Himmel saust, wie eine Tontaube, die der Jäger im letzten Moment noch erwischt hat. Ob er jemals zurückkehren kann, in den Olymp der Politik? Ob er jemals wieder fliegen wird? Die Zukunft bleibt so ungewiss wie die Unsicherheit an einem kalten Morgen, wenn die Sonne am Horizont steht und sich noch nicht entscheiden kann zu scheinen, da dunkle Wolken ihr die Sicht versperren.

Ach ja, schön, wenn Journalisten so viel Inspiration für ihre vermeintlichen Wort-Orgasmen finden…

Skandale über Skandale

By Nina
cc by wikimedia/ Olek Remesz

cc by wikimedia/ Olek Remesz

„Skandaaaaaal“ erschallt es aus einer Ecke und alle haben es gehört, wirklich jeder hat den Ruf vernommen, doch das reicht wohl noch nicht, denn schon stürzen sich die kleinen und großen Reporter, der Medienzirkus mit seinen Spaß-Elefanten und Kicher-Äffchen auf den Ruf. Wer hat ihn noch gehört? Jetzt wird es investigativ? Wer hat ihn zuerst gehört? Wer kann den Schrei am genauesten beschreiben? Wer war noch bei diesem denkwürdigen Moment dabei? Und überhaupt, wo kam er überhaupt her?

Letztere Frage wurde jedoch schnell wieder gestrichen, denn diese hätte alle zu lange aufgehalten. Die Augenzeugen stehen Schlange vor den Mikrofonen und beißen sich um die besten Plätze. Die Reporter reden schneller, die Moderatoren noch schneller und die Schreiberlinge schreiben sich ihre schreibenden Schreibfinger wund.

Die Information kann beginnen und keiner ist mehr sicher, denn obwohl es alle gehört haben, gibt es natürlich noch Experten im Hören, die kleine Untertöne erkannt haben, die sich natürlich um eine Sendung zu füllen widersprechen. War der Unterton eher quäkig oder doch eher weinerlich? Nein, um Gottes Willen, er war leicht aggressiv mit einem Hang zum bilateralen Schizophrenen! Der eine hat dazu noch eine kongeniale Depression herausgehört, doch diese Theorie ging im anschließenden Boxkampf der Zirkus-Clowns unter.

Dokumentationen zum Skandal-Ruf folgen, die Filmrechte werden verkauft und die Marketing-Agenturen lecken sich die Finger während sie sich fragen, wie sie ihn für sich nutzen können. Provokant oder doch eher tragisch? Verständnisvoll oder doch eher hemmungslos? Nach drei Wochen, in denen die Welt fast untergegangen wäre und so manch einer Vorboten für das Kommen des Heilands, des Bösen oder des Dämons Gretzthematlukulakl-Theb erkannt haben will, hat einer einen neuen Zusammenhang beim Laufen auf der Straße entdeckt und der Zirkus tourt weiter. Alle springen sie auf diesen anderen Zusammenhang, der natürlich noch nie so wichtig war und den Skandal-Ruf (weiß noch jemand was das war?) bei Weitem in den Schatten stellt.

Und in einer kleinen Ecke flüstert jemand ganz leise „Skandal, dass Denken am Ende so schwierig ist“, doch das hat schon keiner mehr gehört…

Experten expertieren so expertös

By Nina
cc by wikimedia/ Markus Mueller

cc by wikimedia/ Markus Mueller

Ja, ich bin ein großer Sprachwissenschaftler. Ich betrachte die Sprache nicht nur wissenschaftlich, sondern ich spreche mein Wissen schaffend aus. Ich analysiere Gedichte messerscharf und entdecke in Wortfetzen ganze Universen, die am Ende mit dem eigentlichen Text oder dem Autor nichts gemein haben. Ich schmiege mich an Texte, da ich selbst nur theoretisieren kann.

Nehmen wir zum Beispiel mal einen Sänger, der textuelle Kolloraturen als Schmelztiegel der Wortfetzen nimmt und daraus Gebilde baut, die ich nun zum einstürzen bringen kann. Natürlich ist das Wort, der Satzteil, der metaphysische Klangkörper „einstürzen“ zu weit gegriffen: Korrekterweise bringe ich das Gebäude erst ins Wanken, schüttele es ein bisschen, hinterfrage jeden Buchstaben, liste seine kontextuelle Geschichte auf und erst dann, wenn man nur noch einen kleinen Lufthauch braucht, bringe ich es zum Einstürzen.

Nehmen wir also den Sänger. Dieser eine, besondere Sänger verwendet einen ganz speziellen Trick, der höchstliterarisch ist: Er überwindet die Worte schriftüberschreitend. Etwas, was die meisten Menschen ja sonst nicht tun, woran es ihnen an Fähigkeiten mangelt, wobei sie versagen, in Untätigkeit verfallen, es unterlassen, aufhören und gar nicht anfangen. Was wir Experten alles herausfinden. Schriftüberschreitend, für diese Erkenntnis habe ich nun Jahre gebraucht. Schriftüberschreitend, ich bin ein Genie! Das Land der Dichter? Nein, nur noch der Denker…