Archive for Februar, 2011

Skandale über Skandale

Mittwoch, Februar 23rd, 2011 By Nina
cc by wikimedia/ Olek Remesz

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„Skandaaaaaal“ erschallt es aus einer Ecke und alle haben es gehört, wirklich jeder hat den Ruf vernommen, doch das reicht wohl noch nicht, denn schon stürzen sich die kleinen und großen Reporter, der Medienzirkus mit seinen Spaß-Elefanten und Kicher-Äffchen auf den Ruf. Wer hat ihn noch gehört? Jetzt wird es investigativ? Wer hat ihn zuerst gehört? Wer kann den Schrei am genauesten beschreiben? Wer war noch bei diesem denkwürdigen Moment dabei? Und überhaupt, wo kam er überhaupt her?

Letztere Frage wurde jedoch schnell wieder gestrichen, denn diese hätte alle zu lange aufgehalten. Die Augenzeugen stehen Schlange vor den Mikrofonen und beißen sich um die besten Plätze. Die Reporter reden schneller, die Moderatoren noch schneller und die Schreiberlinge schreiben sich ihre schreibenden Schreibfinger wund.

Die Information kann beginnen und keiner ist mehr sicher, denn obwohl es alle gehört haben, gibt es natürlich noch Experten im Hören, die kleine Untertöne erkannt haben, die sich natürlich um eine Sendung zu füllen widersprechen. War der Unterton eher quäkig oder doch eher weinerlich? Nein, um Gottes Willen, er war leicht aggressiv mit einem Hang zum bilateralen Schizophrenen! Der eine hat dazu noch eine kongeniale Depression herausgehört, doch diese Theorie ging im anschließenden Boxkampf der Zirkus-Clowns unter.

Dokumentationen zum Skandal-Ruf folgen, die Filmrechte werden verkauft und die Marketing-Agenturen lecken sich die Finger während sie sich fragen, wie sie ihn für sich nutzen können. Provokant oder doch eher tragisch? Verständnisvoll oder doch eher hemmungslos? Nach drei Wochen, in denen die Welt fast untergegangen wäre und so manch einer Vorboten für das Kommen des Heilands, des Bösen oder des Dämons Gretzthematlukulakl-Theb erkannt haben will, hat einer einen neuen Zusammenhang beim Laufen auf der Straße entdeckt und der Zirkus tourt weiter. Alle springen sie auf diesen anderen Zusammenhang, der natürlich noch nie so wichtig war und den Skandal-Ruf (weiß noch jemand was das war?) bei Weitem in den Schatten stellt.

Und in einer kleinen Ecke flüstert jemand ganz leise „Skandal, dass Denken am Ende so schwierig ist“, doch das hat schon keiner mehr gehört…

Experten expertieren so expertös

Mittwoch, Februar 16th, 2011 By Nina
cc by wikimedia/ Markus Mueller

cc by wikimedia/ Markus Mueller

Ja, ich bin ein großer Sprachwissenschaftler. Ich betrachte die Sprache nicht nur wissenschaftlich, sondern ich spreche mein Wissen schaffend aus. Ich analysiere Gedichte messerscharf und entdecke in Wortfetzen ganze Universen, die am Ende mit dem eigentlichen Text oder dem Autor nichts gemein haben. Ich schmiege mich an Texte, da ich selbst nur theoretisieren kann.

Nehmen wir zum Beispiel mal einen Sänger, der textuelle Kolloraturen als Schmelztiegel der Wortfetzen nimmt und daraus Gebilde baut, die ich nun zum einstürzen bringen kann. Natürlich ist das Wort, der Satzteil, der metaphysische Klangkörper „einstürzen“ zu weit gegriffen: Korrekterweise bringe ich das Gebäude erst ins Wanken, schüttele es ein bisschen, hinterfrage jeden Buchstaben, liste seine kontextuelle Geschichte auf und erst dann, wenn man nur noch einen kleinen Lufthauch braucht, bringe ich es zum Einstürzen.

Nehmen wir also den Sänger. Dieser eine, besondere Sänger verwendet einen ganz speziellen Trick, der höchstliterarisch ist: Er überwindet die Worte schriftüberschreitend. Etwas, was die meisten Menschen ja sonst nicht tun, woran es ihnen an Fähigkeiten mangelt, wobei sie versagen, in Untätigkeit verfallen, es unterlassen, aufhören und gar nicht anfangen. Was wir Experten alles herausfinden. Schriftüberschreitend, für diese Erkenntnis habe ich nun Jahre gebraucht. Schriftüberschreitend, ich bin ein Genie! Das Land der Dichter? Nein, nur noch der Denker…

Die Informations-Sniper im Internet – Anonym schießen ohne zu zielen

Mittwoch, Februar 9th, 2011 By Nina
cc by flickr/ checkstaticlines

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Ich sitze hier mit meiner Tastaturflinte und surfe mit meinem Zielfernrohr durchs Netz. Dabei kann ich sicher sein, dass ich schon bald ein Opfer finden werde, ein Ziel, dass ich aus sicherer Entfernung beschießen kann. Mein Leben ist schlecht, mein Job frustriert mich, also begehe ich einen Informations-Amoklauf.

Ich durchkämme das Netz nach Verfehlungen, menschlichen Unzulänglichkeiten und dann kann ich Wurm mich auf einen Thron erheben und diesen garstigen und grausamen Fehler korrigieren. Ich schieße scharf und alle die schriftliche Fehler begehen oder sich vielleicht verlesen haben, sind Idioten, sind Arschlöcher. Einmal bin ich Gott und kann von meiner anonymen Wolke aus zielen.

Ha, da ist auch schon einer. Zu viele Rechtschreibfehler. Kommentarfeld auf und puff. Und noch einer. Sätze falsch formuliert. Kommentarfeld auf und Abschuss. Da ist eine andere. Informationen verwechselt. Kommentarfeld auf und peng. Ach wie gut, dass niemand weiß, wie dieser Gott der Erkenntnis wirklich heißt.

So treibe ich mein Spiel und fühle mich gut dabei, mächtig. Alle sind schwach, nur ich bin stark, ich mit meinem Informationsgewehr. Nachladen ohne sichern. Gott, bin ich toll! Was sag ich? Ich bin Gott! Nur ich habe die Weisheit mit Löffeln gefressen und reinige durch meine Beleidigungen das Netz!

Ode an den Plastik-Praktikanten

Mittwoch, Februar 2nd, 2011 By Nina

Oh, du schnöder Praktikant, der du dich für unser aller Wohl immer wieder aufs Neue in Plastik gießen lässt! Allein damit wir uns amüsieren, zwängst zu dich in Kostüme und Masken, in die sich sonst kein normaler Mensch wagen würde.

Oh, du heiliger Plastik-Praktikant, der du uns von Monstern über Roboter bis hin zu wilden Tieren oder Bäumen schon alles präsentiert hast um unsere Fantasie und gute Laune anzuregen. Du beschertest uns Filme wie „Killer-Krokodile 1-9“, „Killer-Haie 1-7“, „Killer-Dinosaurier 1-8“, „Angriff der besonders echt aussehenden Monster aus dem unterirdischen Weltall“ und eine deiner Glanzleistungen „Superkleine Mutanten-Todesbienen“.

Was würden wir ohne dich tun, du selten tapferer Plastik-Praktikant, der du für uns stundenlang schwitzt, leidest, dich verrenkst und dir zur Not auch ein Bein absägst, wenn es die Roboter-Rolle verlangt? Wir sehen all die Monster an uns vorbeiziehen und nicken anerkennend vor soviel Leistung. Armer kleiner Plastik-Praktikant, hoffentlich vergisst dich niemand in deinem Haifisch-Kostüm…