Archive for Januar, 2011

Fühlt ihr euch auch so breitgetreten?

Donnerstag, Januar 27th, 2011 By Nina
cc by flickr/ foodiesathome.com

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Ich liege hier und fühle mich wie ein Stück ausgeklopftes Fleisch. Meine frühere Existenzform wurde so viel mit Dioxon und Co. gefüttert und geschunden, um am Ende zum einen Teil als Burgerbasis und zum anderen als Schnitzel zu enden. Den Rest von mir konnte man wegschmeißen.

Nun liege ich hier und wurde noch töter (tot, töter, am tötesten) geklopft. Die Medienmaschinerie ist über mich drüber gelaufen. Da wurde in die eine Skandal-Richtung an mir gezogen und ein anderer fand mich ganz toll und zog mich in die andere Richtung. Alle sind sie über mich rübergetrampelt und jeder hat dabei noch so viel geredet, dass die leichten Worte in Kombination ein ganz schönes Gewicht entwickelten. Nur schade, dass es keine Maßeinheit für Rede-Brei gibt, der sich nach und nach in allen Ritzen sammelt.

Ich liege hier, ein weich geklopftes Stück Fleisch und immer noch wird auf mich eingeredet. Jeder hat eine Meinung, jeder findet einen Skandal und am Ende haben sie vergessen, dass sie auf mir stehen und ich eigentlich das Thema bin bzw. am Anfang mal war. Ja, es lebt sich nicht leicht als durchgewalktes Informationsfleisch, das so überinformiert ist, dass es kaum noch aufnahmefähig ist.

Doch eigentlich brauch ich mir keine Sorgen zu machen, denn in unserer Wegwerfgesellschaft können Informationen genauso schnell weggeworfen werden wie ein Stück überinformiertes und durchgeklopftes Stück Fleisch. Wir alle sind konsumierende Gebrauchsware, die selbst konsumiert werden und am Ende wissen wir nicht mehr, was wir schlucken sollen oder ob wir nicht schon längst selbst geschluckt wurden. Oh, da kommt schon der nächste Skandal angerollt…

Das Dschungelcamp mit künstlerischem Anspruch

Mittwoch, Januar 19th, 2011 By Nina

Schon faszinierend wie momentan halb Deutschland mitfühlend in den australischen Dschungel blickt. Nein, ich spreche nicht von der verheerenden Hochwasser-Katastrophe, das ist doch mehr eine Attraktion, die Rede ist natürlich von der Show „Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!“.

Uh, werdet ihr jetzt denken, Unterschichtenfernsehen, Proleten, Eva Jacob. Doch was wäre, wenn genau dies nicht auf RTL käme, sondern in einer Galerie stattfinden würde? Stellt euch vor, Künstler bauen einen künstlichen Dschungel, unterstützt von einem findigen Kurator und echte, wilde Künstler, die eben gerade so angesagt sind, leben dort während die Besucher durch die Ausstellungsräume flanieren.

Da werden wild grunzend Mehlwürmer verspeist, man legt sich in einen gläsernen Sarg und lässt sich von Kakerlaken überschütten oder fährt Schlangen in einem Boot spazieren. Alles sehr archaisch. Diese Künstler führen uns zurück an die Wurzeln der Zivilisation, Kritiker führen ihre Tänze auf und interpretieren eine neue Rohheit der Kunst, eine neue Dimension der Performance. Das menschliche Zusammenleben in all seinen Schwächen wird vorgeführt und auf einmal schwingen sich die Künstler in neue Höhen.

Ja, die heutige Kunstszene unterscheidet sich wirklich von RTL… Alles eine Frage der Perspektive, oder nicht? 😉

„Dioxin“ – Ein Theaterstück in einem Akt

Mittwoch, Januar 12th, 2011 By Nina
cc by christmasstockimages

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Da fliegt es vorbei, das Skandalballett. Alle unsere Lieblingsfiguren sind mit dabei: Die Vogelgrippe tanzt Ringelreihen mit Gammelfleisch, Dioxin-Skandal und Schweinegrippe. Nur das arme BSE sitzt etwas abseits und alleine, da man es wohl in all dem Trubel vergessen hat.

Sie bilden eine lange Schlange und tanzen um etwas in der Mitte, was man noch nicht erkennen kann. Dann öffnet sich der Reigen und in der Mitte kauert der verunsicherte Verbraucher. Er klammert sich verzweifelt an ein umgefallenes Supermarktregal und ist ganz erstaunt, dass da Chemie in seinem Essen ist.

Er setzt zu einem Klagelied an: Oh warum ich? Ich möchte doch nur kaufen, wie alle das tun. Ich möchte kaufen und essen und kaufen und essen. Schweinefleisch und Burger, Rindfleisch und Currywurst, Hühnchen und Brathahn, Leberwurst, Geflügelwurst, Salami und Bärchenwurst sind nur ein paar der Sachen, die ich täglich gerne ess. Aber oh nein, da gibt es die Industrie, die mir den Spaß verdirbt, die einfach mitten im Kapitalismus und der großen Nachfrage anfangen zu betrügen. Oh neeeiiiin, wie ungereeeecht!

Und der Chor aus Gammelfleisch, Geflügelpest und Dioxin antwortet: Oh neeeein, oh jaaaaa. Uuuuuhhhhhhuuuhhhhh. Schon trippeln figurenvollführende Fotografen der Presse hinein und knipsen im Takt des Medienchors. Skandal, Skandal, ich finde einen Skandal. Wo ist er denn? Wo war er denn? Ich finde ihn bestimmt! Es regnet Geld vom Himmel, das die Szenerie in einen winterlichen Schneesturm hüllt und der Weihnachtsmann kommt von oben und erzählt vom Frieden auf Erden.

Jupp Heidevomzumwinkel: Neues Buch „Das niedere Kriechtum“

Mittwoch, Januar 5th, 2011 By Nina
cc by flickr/ mattnis

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Der größte Kulturkritiker unserer Zeit, Jupp Heidevomzumwinkel, hat mal wieder selbst zum Stift gegriffen und erneut bewiesen, das er auch ein großer Künstler ist. Und das sage ich nicht, weil er als einflussreicher Kritiker einen drohenden Finger über Redaktionen wie unsere hält. Ganz bestimmt nicht! Er ist ein Genie, ein Gott, der sich selbst zu einem gemacht hat. (letztere Bemerkung hab ich nie gesagt…)

So ist auch sein neuestes Buch ein Geniestreich, ein Coup der Superlative. Die Geschichte hält uns Menschen einen Spiegel vor das unwürdige Gesicht. Der gottgleiche Autor bedient sich dabei eines gekonnten Stilmittels, das so noch überhaupt nicht da gewesen ist: Tiere werden personifiziert.

Der Titel lautet „Das niedere Kriechtum“ und dreht sich um einen Wurm, der in Gewürm-City als Privatdetektiv ermittelt. Dabei muss Jack Fireworm sich so manchen Gefahren stellen und die weiblichen Würmer spielen dabei eine zentrale Rolle. Also alles völlig neue Motive von diesem erhabenen Intellekt!

Laut Jupp Heidevomzumwinkel liegt bei „Das niedere Kriechtum“ die Bedeutung in der Metapher der Handlung. So wie wir Jupp kennen, wird er hier demnächst selbst noch eine Rezension über sein eigenes Buch veröffentlichen und auch diese wird garantiert wieder fabelhaft.