Archive for November, 2010

Musikalische Landwirtschaft in der Star-Melkmaschine

Mittwoch, November 17th, 2010 By Nina
cc by wikimedia/ BArchBot

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In der Aggrokultur wird leider immer noch viel zu viel auf Massenhaltung und industrielle Fertigung gesetzt. In großen Ställen hält man hier die Mastkulturen, die rein zu dem Zweck in Gefangenschaft gehalten werden um unseren Hunger zu stillen.

In großen Gebäuden stehen sie dicht gedrängt aneinander. Große Fertigungshallen, die kein normaler Konsument sehen möchte. Daher verschließen viele leider noch die Augen vor dem Elend. In unendlich langen Reihen, dicht an dicht, stehen Sänger neben Malern und Schauspielern. Sie alle sind an große Melkmaschinen angeschlossen, die ihnen einen Hit, ein Bild und eine Geste nach der nächsten aus den Adern saugen.

In einer Reihe stehen gleich 248 Lady Gagas, die Güter für die Massen produzieren. Der Hype um aggrokulturelle Produkte dieser Melkvieh-Sorten ist momentan so groß, dass ein Vieh alleine gar nicht mehr hinterher kommt.

Dünne Frauen stehen zu Tausenden in einer Fabrik nebeneinander und warten auf die Melkmaschine der Produzenten. Bis dahin starren sie ins Leere und fressen dumpf von den Fließbändern die Diätpillen. Zweimal am Tag kommen dann große computergesteuerte Arme und bewegen das traurige Melkvieh zur Musik, lassen sie malen und verziehen ihre Mimik zum gewünschten Ausdruck.

Wann finden wir endlich den Weg zu einer artgerechten und ökologisch-musikalischen Landwirtschaft?

Der Kritiker und das Wunder der Geburt

Mittwoch, November 10th, 2010 By Nina
cc by flickr/ gwydionwilliams

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Na, komm Frau, wir müssen endlich los. Oh Mann, jetzt musst du dich erst fertig machen?! Jetzt? Aber das ist ja immer das Gleiche mit den Weibern, da hab ich mich ja fast schon daran gewöhnt. Lass dich ansehen: Naja, das ist ja wohl eher der Euphemismus eines Outfits, aber okay. Können wir dann?

Wo ist denn jetzt der Taxifahrer? Ah da, ist der Mann! Oh Gott, ein Araber. Na, da weiß ich ja auch gleich, was auf uns zukommt: Die Fahrt zu soßig, die Musik zu holprig und die Ampeln zu rot. Als Taxifahrer müsste man halt die Schleichwege kennen. Wenn ich über den eine Bewertung schreiben müsste, wäre die Überschrift: Ein zurecht vergessener Klassiker des 20. Jahrhunderts.

In unheimlich gemächlichen und unreflektierten Schritten nähern wir uns dem Bestimmungsort. Was hat man sich nur bei dem Design des Hauses gedacht?! Praxis und Design liegen sich hier in den Armen und zeugen nichts, weil sie sich nicht entscheiden können, wer unten oder oben liegt.

Oh und erst dieses Essen hier! Das nennen die eine Auswahl! Irgendwie muss ich mir doch die endlos lange Wartezeit schmackhaft machen bis dann die Herren in Weiß ans Servieren und das Erfüllen ihrer Pflicht denken. Und Zeitungen gibt es hier auch keine guten. Da habe ich nun die Wahl zwischen aufgewärmten Gesprächen mit meinen Nachbarn oder halbfertige Mikrowellendiskussionen mit den Zuständigen. Die können froh sein, dass ich da morgen keine Kritik drüber schreiben muss! Ein Wunder überhaupt, dass man solch einen Betrieb am Laufen halten kann. Alleine schon das Design dieser Uhren… Zum Totlachen, strukturelle Meisterwerke aus der Steinzeit, überhaupt nicht mehr auf dem heutigen ästhetischen Stand!

Ach so ja, die Geburt meiner Tochter war auch sehr schön, wenn auch Verbesserungswürdig…

Jupp Heidevomzumwinkel meldet sich mit einem epischen Traktat zurück aus der Mine in Chile

Mittwoch, November 3rd, 2010 By Nina

Der Kritiker-Gott, der Schamane der Experten, Jupp Heidevomzumwinkel war so tief betroffen von dem Schicksal der verschütteten Minenarbeiter, dass er sich selbst zusammen mit seinem Bruder Joop dort unten einsperren ließ.

Joop, ganz die Koryphäe der Wissenschaft, wollte den sachlichen Aspekt erkunden, Jupp, ganz der Kunstversteher, gab sich der essentiellen Erfahrung hin, da er dies bei so vielen Künstlern vor ihm auch gesehen hatte. Eigentlich wollte er dort seinen eigenen Dämonen begegnen, musste jedoch schnell feststellen, dass sein Genie alles überragt und Dämonen sich nicht wirklich an eine Größe wie ihn herantrauen.

Sein Experiment brach er ab, da er nach eigenen Aussagen, das Verlangen hatte, seine neu gewonnen Weisheiten in einem Traktat epischen Ausmaßes zu verewigen. In diesem Manifest des Intellekts nimmt er uns mit auf eine Reise in das menschliche Bewusstsein, das schmerzlich feststellen muss, dass Kunst und Wissenschaft nicht Hand in Hand gehen können.

Jupp wollte meditieren und sich seiner selbst hingeben. Joop war in der Zwischenzeit in der Nachbarhöhle so mit Gesteinsklopfen beschäftigt, dass Jupp sich kaum seiner Größe gewahr werden konnte. Ein Genie war gestört durch den ungleichmäßig hämmernden Rhythmus der Wissenschaft nebenan!

Eine Tragödie und eine wahre Erkenntnis, in deren Genuss wir dank Jupp Heidevomzumwinkels Traktat kommen. Joop Heidevomzumwinkel ist übrigens noch nicht zurückgekehrt, denn der Takt der Wissenschaft klopft sich wohl durch den Erdkern hindurch. Vielleicht hat er eine seltenen Sumpfamöben-Art gefunden…