Ach ja, guten Tag Herr Morgenstern, ich sitze hier gerade über den Gedichten, die Sie da neulich verfasst haben. Schöne Werke muss ich sagen, doch an der einen oder anderen Stelle könnte man doch noch ein bisschen feilen. In manchen fehlt mir, dem Experten, wie soll ich sagen, die Logik. Eigentlich fehlt sie mir in allen Ihren Gedichten. Das ist jetzt nicht böse gemeint, Sie sind natürlich ein großer Dichter und noch dazu bekannt, jedoch kann auch Ihnen das Urteil eines Experten wie mir nicht schaden.
Nehmen wir uns nur mal Ihr Gedicht „Philanthropisch“:
Ein nervöser Mensch auf einer Wiese
wäre besser ohne sie daran;
darum seh’ er, wie er ohne diese
(meistens mindestens) leben kann.
Kaum daß er gelegt sich auf die Gräser,
naht der Ameis, Heuschreck, Mück und Wurm,
naht der Tausendfuß und Ohrenbläser,
und der Hummel ruft zum Sturm.
Ein nervöser Mensch auf einer Wiese
tut drum besser, wieder aufstehn
und dafür in andre Paradiese
(beispielshalber: weg) zu gehen.
Warum diskriminieren Sie denn ausgerechnet nervöse Menschen und dann geht das Ganze auch noch gegen die Tierwelt. Sie wollen doch nicht dem Menschen unterstellen, dass er sich Insekten beugt? Sie stellen doch nicht den Vorrang des Menschen in der Schöpfung in Frage? Was meinen Sie was ein Tier zu solch einem Gedicht sagen würde? Nein, ich weiß natürlich, dass Tiere nicht lesen können und Insekten vielleicht schon gar nicht, die haben ja mehr als zwei Augen, aber nehmen wir nur mal theoretisch an, sie könnten es. Dann würde das Anarchie bedeuten. Ihr Gedicht würde ihnen dann vor Augen führen, dass sie stärker sind als wir und uns vertreiben können. Wollen Sie das? Wollen Sie wirklich zur tierischen Anarchie aufrufen?
Also, drehen Sie das gefälligst um und lassen Sie nervöse Mücken auf einer Wiese herumfliegen, die dann vom Menschen vertrieben werden. Wir müssen den Mücken von Anfang an sagen, dass sie, wenn sie nervös sind, auf einer Wiese nichts verloren haben. Das kommt also davon, wenn man den Künstlern zu viel freien Lauf lässt! Tztztz…