Archive for the ‘Kunst’ Category

Das Dschungelcamp mit künstlerischem Anspruch

Mittwoch, Januar 19th, 2011 By Nina

Schon faszinierend wie momentan halb Deutschland mitfühlend in den australischen Dschungel blickt. Nein, ich spreche nicht von der verheerenden Hochwasser-Katastrophe, das ist doch mehr eine Attraktion, die Rede ist natürlich von der Show „Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!“.

Uh, werdet ihr jetzt denken, Unterschichtenfernsehen, Proleten, Eva Jacob. Doch was wäre, wenn genau dies nicht auf RTL käme, sondern in einer Galerie stattfinden würde? Stellt euch vor, Künstler bauen einen künstlichen Dschungel, unterstützt von einem findigen Kurator und echte, wilde Künstler, die eben gerade so angesagt sind, leben dort während die Besucher durch die Ausstellungsräume flanieren.

Da werden wild grunzend Mehlwürmer verspeist, man legt sich in einen gläsernen Sarg und lässt sich von Kakerlaken überschütten oder fährt Schlangen in einem Boot spazieren. Alles sehr archaisch. Diese Künstler führen uns zurück an die Wurzeln der Zivilisation, Kritiker führen ihre Tänze auf und interpretieren eine neue Rohheit der Kunst, eine neue Dimension der Performance. Das menschliche Zusammenleben in all seinen Schwächen wird vorgeführt und auf einmal schwingen sich die Künstler in neue Höhen.

Ja, die heutige Kunstszene unterscheidet sich wirklich von RTL… Alles eine Frage der Perspektive, oder nicht? ;-)

Das Remake von „2001: Odyssee im Weltraum“ – Justin Bieber, Kim Kardashian und Lady Gaga in den Hauptrollen

Mittwoch, Dezember 15th, 2010 By Nina
cc by argazkiak

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Wer will denn noch Filme sehen, die älter als zehn Jahre alt sind. Da tragen die Leute ganz komische Klamotten, sehen überhaupt nicht trendy aus und alles ist auch gar nicht in 3D. Klar, dass da Hollywood immer wieder alte Filme neu remaken muss. Böse Zungen behaupten, dass ihnen nichts mehr einfällt, wir wissen aber, dass sie uns in Wirklichkeit nur etwas Gutes tun wollen. Ganz bestimmt, diese großen Firmen wollen eh immer nur das Beste für uns und wissen auch, was passend ist.

Deshalb stürzen wir uns 2011 in ein absolutes Remake-Jahr. Ja, Freunde, alle Filme, die eure Eltern liebten und ihr vielleicht früher mal auch, werdet ihr neu nach modernen Standards lieben lernen. Neben „Der Pate“ oder „Quo vadis“ gibt es im kommenden Jahr ein Wiedersehen, ja, liebe Jüngere, es ist ein Wiedersehen, mit „2001: Odyssee im Weltraum“. Wer braucht schon Stanley Kubrick, wenn er die mörderische Leidenschaft eines James Cameron hat?

In den Hauptrollen geben sich die Stars die Klinke in die Hand. Justin Bieber spielt an der Seite von Kim Kardashian, Miley Cyrus und Lady Gaga. Manche eigentlich männliche Rollen wurden dafür extra zu Frauen gemacht. Paris Hilton darf auch mal ran und natürlich will niemand diese veraltete Inro-Musik hören. Speziell für den berühmten Anfang haben sich Lady Gaga, Katy Perry und Rihanna zusammengetan und ihren unvergleichlichen und einzigartigen Klang fusioniert. Ach ja, und die Vormenschen tanzen dazu natürlich in einer Choreografie. Bordcomputer und Co. stammen von Apple, außerdem mit an Bord sind BMW, Coca-Cola, McDonalds, Christian Louboutin, Gucci uvw.

Was will man mehr?

Jupp Heidevomzumwinkel auf der künstlerisch wertvollen Suche nach seinem Bruder

Donnerstag, Dezember 9th, 2010 By Nina
cc by flickr/ Gerej

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Es ist schon eine Tragödie, die sich da ereignet. Da haben sich die Brüder Jupp und Joop Heidevomzumwinkel gemeinsam in die Mine in Chile aufgemacht um die Gefühle der eingeschlossenen Bergarbeiter nachzuempfinden, mit Haut und Haar und mit ganzer Seele und Inbrunst, und nun ist Jupp schon lange zurückgekehrt, aber Joop ist noch weg.

Es sind die zwei genialsten und ungleichsten Brüder seit den Humboldts: Jupp, der Künstlerkritiker mit selbst einem Hang zur kritischen Kunst, und Joop, der rationale, wissenschaftliche. In der Mine von Chile konnten sie beides vereinen.

Jupp musste seine künstlerisch-spirituelle Erfahrung schon früher abbrechen, da Meditieren aufgrund der Hammerschläge seines Bruders in der benachbarten Höhle unmöglich war. Mit einem epischen Traktat darüber meldete sich der geniale, der einzigartige Jupp Heidevomzumwinkel zurück und sorgte sofort für einen Sturm der kulturellen Begeisterung. Doch wo ist Joop?

Irgendwann fiel dies auch Jupp auf und er machte sich auf die Suche. Er schwitzte während Bergarbeiter ihn zur Mine zurück trugen und gab unermüdlich ein anstrengendes und auslaugendes Interview während die Arbeiter sich durch Geröll und Stein gruben. Jupp Heideivomzumwinkel thronte in seinem Maßanzug wie ein Beschützer über den Arbeitern und spornte sie zu Höchstleistungen an.

Bis jetzt jedoch noch keine Spur von Joop? Jupp wandelt noch jetzt sinnierend von Kamera zu Kamera und denkt künstlerisch wertvoll über sein Schicksal und ach ja, das seines Bruders nach. Dazu wird er einen Gedichtband, einen Erlebnisbericht, ein Theaterstück, zwei Filme und eine Dokumentation herausbringen. Hat der Bruder den Mittelpunkt der Erde erreicht und erforscht dort nun die Maulwurfmenschen? Ist er einem Gas-Rausch verfallen und tanzt lachend und singend in einem Kleid durch die dunklen Gänge? Konnte er sich bis nach Deutschland durchbuddeln und löste leider den Krater von Schmalkalden aus? Fragen über Fragen, denen sich Jupp Heidevomzumwinkel in den nächsten Monaten und Wochen sicherlich kunstvoll und voller Inbrunst nähern wird…

Musikalische Landwirtschaft in der Star-Melkmaschine

Mittwoch, November 17th, 2010 By Nina
cc by wikimedia/ BArchBot

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In der Aggrokultur wird leider immer noch viel zu viel auf Massenhaltung und industrielle Fertigung gesetzt. In großen Ställen hält man hier die Mastkulturen, die rein zu dem Zweck in Gefangenschaft gehalten werden um unseren Hunger zu stillen.

In großen Gebäuden stehen sie dicht gedrängt aneinander. Große Fertigungshallen, die kein normaler Konsument sehen möchte. Daher verschließen viele leider noch die Augen vor dem Elend. In unendlich langen Reihen, dicht an dicht, stehen Sänger neben Malern und Schauspielern. Sie alle sind an große Melkmaschinen angeschlossen, die ihnen einen Hit, ein Bild und eine Geste nach der nächsten aus den Adern saugen.

In einer Reihe stehen gleich 248 Lady Gagas, die Güter für die Massen produzieren. Der Hype um aggrokulturelle Produkte dieser Melkvieh-Sorten ist momentan so groß, dass ein Vieh alleine gar nicht mehr hinterher kommt.

Dünne Frauen stehen zu Tausenden in einer Fabrik nebeneinander und warten auf die Melkmaschine der Produzenten. Bis dahin starren sie ins Leere und fressen dumpf von den Fließbändern die Diätpillen. Zweimal am Tag kommen dann große computergesteuerte Arme und bewegen das traurige Melkvieh zur Musik, lassen sie malen und verziehen ihre Mimik zum gewünschten Ausdruck.

Wann finden wir endlich den Weg zu einer artgerechten und ökologisch-musikalischen Landwirtschaft?