Gentrifizierung: Ich bin ein großer Künstler und liebe das Establishment
Ist die Kunst wirklich tot? Legen wir sie also in einen Sarg und nageln diesen fest zu, denn auch das ist bestimmt ein künstlerischer Akt, der mit jedem Sargnagel teurer wird und die Investoren feucht werden lässt. Ihr denkt die Kunst entwickelt sich nicht weiter? Irrtum, sie ist noch da, sie wächst, sie lauert im Dunkeln, in kleinen Kellern, in winzigen Bühnen, wo sich jeden Abend, jeden Tag, die Akteure die Finger wund spielen, schreiben, singen, malen.
Ihr habt davon noch nie etwas gehört? Das könnte wohl daran liegen, dass ihr nur große Künstler aus den Medien kennt, auf die sich die Investoren, die Verlage, die Major Labels stürzen. Wer heute als Künstler gilt, muss sich über Geld definieren. Schon lange hat sich das Bild des Künstlers verschoben: Ein hipper Künstler jettet um die Welt, geht auf die selben Parties wie seine Geldgeber und trägt die schicke Designer-Sonnenbrille, dann spricht er noch ein bisschen über das Anderssein seiner Seele, kritisiert, aber nur ganz oberflächlich und am Rande irgendein aktuelles Thema und weist dann seine Praktikanten an die nächste Skizze festzuhalten.
Und sie alle wollen so sein. In den Literaturkurse, in den Kunsthochschulen, an den Schauspielschulen, sie alle wollen Stars werden, wollen groß raus kommen. Doch Kunst kann man nicht mit Geld aufwiegen! Gute Bilder sind kein Anlageobjekt! Gute Bücher müssen nicht jedem gefallen!
Macht eure Augen also weit auf und euch selbst auf die Suche nach solchen Orten, wo sie hausen, die richtigen Künstler, die sich nicht scheuen die Gesellschaft zu kritisieren, zu provozieren, die sich entwickeln und wahrscheinlich erst mit 60 Jahren richtig gut sein werden. Weit weg von angebliche Künstlervierteln wie Prenzlauer Berg… Es reicht auch einfach von seiner Kunst leben zu können und nicht damit reich zu werden. Ein Verkauf ist natürlich immer dabei, nur muss man dafür alles mitmachen?
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Tags: Gentrifizierung


Hallo Nina,
du bist schon vor deinem 60. Geburtstag richtig gut. Weiter so!
[...] ist es leicht für moderne Künstler, aus dieser Stofftradition zu schöpfen; es kann zitiert, ironisiert, kritisiert und abstrahiert [...]