Branco Brillo (über sein Schaffen) im Fadenkreuz

By draingirl

(Gastbeitrag von draingirl) Ich bin Künstler. Was ich mache? Kunst. Natürlich Kunst. Vielleicht ist machen das falsche Wort. Ich schaffe, erschaffe und das mit den einfachsten Mitteln, wie z.B. einem Bindfaden. Über diesen Bindfaden kann ich stundenlang referieren, auch wenn ich eigentlich sehr ungern über meine künstlerischen Arbeiten rede, denn ich will dem Betrachter das Erlebnis nicht vorwegnehmen, den intimen Moment, den er mit diesem Bindfaden hat. Er soll ganz in meine Welt eintauchen und genau das fühlen, was ich ihm vorgebe, oder aber, was er selbst dabei empfindet, denn ich gebe allgemein eigentlich nichts vor. Ich möchte weder einen bestimmten Eindruck erzeugen, noch in nur eine Richtung lenken.

Aber ich rede eigentlich nicht gern über meine Intentionen. Das ist auch gar nicht von Belang, denn wenn der Bindfaden nicht von selbst funktioniert, dann ist er nicht eines Kunstwerkes würdig. Ein Bindfaden ist auch vielseitig einsetzbar. Man kann ihn einfach mitnehmen und jeden Ort damit bespielen und das, ohne dass es irgend wem auffällt. Nur sehr feinfühlige Menschen werden die minimale atmosphärische Verschiebung wahrnehmen, diesen kleinen Eingriff, den ich in ihrer Umwelt vornehme, ja, ich finde sozusagen einen Anknüpfungspunkt, einen Weg der Kommunikation mit meiner Umgebung, ohne wirklich in Kontakt zu treten, aber ich rede eigentlich nicht so gern über meine Kunstwerke, denn jeder Mensch verbindet andere Dinge mit diesem Bindfaden und das ist genau der Punkt. Jeder kann etwas mit dem Bindfaden anfangen, er beschreibt Elementares, einfaches.

Egal welcher Herkunft, so wird doch jedes Kleidungsstück mit dem Bindfaden gehalten. Er unterscheidet und urteilt nicht. Vor dem Bindfaden sind alle Menschen gleich. Doch ich will gar nicht so weit gehen, meine Kunst zu interpertieren. Das funktioniert auch nicht, denn wenn ich bei meinen allabendlichen drei bis vier Flaschen Rotwein in einem regelrechten schöpferischen Rausch verfalle, weiß ich am nächsten Tag meistens nicht mehr, was ich mir bei der Scheiße gedacht habe.

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