Eine Restaurant-Kritik von Jo Müller-Stanislaus: Restaurant “High Fidelity” in Bad Reumersburg
Unter etlichen Feinschmeckern gilt Bad Reumersburg als kleiner kulinarischer Geheimtipp. Im renommierten Restaurant “High Fidelity” wollte ich mich einmal selbst davon überzeugen. Doch was mir da geboten wurde, konnte ein so sensibler, feinfühliger und illustrer Gaumen wie meiner kaum ertragen.
Erträglichkeit scheint beim “High Fidelity” eh ein Credo zu sein, denn obwohl man sich redlich bemüht, den Gästen den Aufenthalt so akzeptabel wie möglich zu machen, gelingt dies von Beginn an nicht. Betritt man den Raum, fragt einen doch glatt nur ein Kellner, in einer viel zu perfekt aussehenden Uniform, ob man reserviert hat. Dies alleine reizt schon die Grenzen der menschlichen Umgangsformen aus, denn das Wort Personal beinhaltet schließlich mehrere Leute, so dass man beim Empfang auch eine Mehrheit zu seinen Diensten wünscht.
Auch die Tische wollen wohl durch Perfektion von diesem fehlenden Miteinander ablenken. Man kauft die teuersten Blumen und versucht verzweifelt durch Kerzen Stimmung zu erzeugen. Kann man sich nicht für den Fortschritt entscheiden? Teure Blumen und billige Kerzen, ein Widerspruch, der jedem Gast wahrscheinlich sauer aufstoßen wird. Die Stimmung ist dahin, der Gast verwirrt.
Speisen werden geboten, bei denen die Beschreibungen einfach normal formuliert sind. Man könnte meinen, dass ein Restaurant die einfache Sprache von Restaurants beherrscht, dem ist hier jedoch nicht so. Simple Standard-Gerichte wie Thunfisch Tataki mit Hoisin-Karamell im Peking-Crêpe fehlen im “High Fidelity” vollkommen! Ansonsten bietet die Küche den üblichen Mix aus asiatischen, afrikanischen und mediterranen Spezialitäten. Was für eine Überraschung!
Am Ende verlangen sie noch von einem, dass man eine Tomatensuppe isst. Tomatensuppe! Für solche Gerichte sterben Tomaten umsonst und man sollte hierzu gleich einen passenden Eimer servieren, in dem man dann die verendeten Tomaten zur letzten Ruhe betten kann. Wer für solch einen billigen Euphemismus das Haus verlässt, ist selbst Schuld. Man könnte sich gleich auf die nächste Kreuzung legen und sich überfahren lassen, dann wäre man am Ende wahrscheinlich genauso zäh wie das Fleisch im Hauptgericht. Biber überfahren muss das Hobby des Kochs sein. Dass man das dann noch Rinderfilet nennt, ist mehr als desaströs…
Meine kulinarische Welt wurde an diesem Abend auf jeden Fall zerstört. Gewollt perfekte Höflichkeit und ein Lächeln der Bedienung konnten diesen versuchten Massenmord auch nicht wieder gut machen. Auf dem Heimweg überfuhr ich dann noch einen Obdachlosen und legte ihn als Serviervorschlag vor die Tür. Es ist überhaupt eine Frechheit mich zu solch einem Verhalten zu nötigen!
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Tags: Experte, Kritik, Restaurant


Herrliche Satire !